NWZ: Weihnachten bei den Aramäern

     

Aramäer

Zu Weihnachten platzt die Kirche fast

Welche religiösen Traditionen die Syrisch-Orthodoxen im Advent und zum Fest pflegen
Für die Aramäer geht am 1. Weihnachtstag die Fastenzeit zu Ende. Dann gibt es Lammfleisch mit Zwiebeln.


Foto: Woilfgang Bednarz
 
Mariam Gabriel serviert ihrem nicht-orthodoxen Gast, Pastor Detlef Kossen aus Brinkum (rechts), das traditionelle aramäische Weihnachtsessen Marga (gesalzenes Lammfleisch mit gekochten Zwiebeln).
Sie und ihr Mann Matthias Matay (rechts) müssen mit dem Fleischgenuss noch bis zum 1. Weihnachtstag warten.
Delmenhorst In dem Reihenhaus der Familie Gabriel auf der Nordwolle ist immer etwas los.
Dafür sorgen schon die fünf Kinder. Familie Gabriel ist eine von rund 380 Familien, die in Delmenhorst die syrisch-orthodoxe Kirchengemeinde St. Johannes bilden.
Die Aramäer blicken kirchengeschichtlich auf eine lange Tradition zurück.
Simon Petrus hatte der Überlieferung nach im Jahr 37 nach Christi Geburt in Antiochien die erste Christengemeinde nach Jerusalem gegründet.
Auf diese Gemeinde führen sich auch die Delmenhorster Aramäer zurück. Mitglieder der syrisch-orthodoxen Kirche leben heute über die ganze Welt verstreut, sogar in Indien.
Der Grund für den Exodus aus ihrer Heimat, dem Tur Abdin im Südosten der Türkei und Nord-Mesopotamien, war die religiöse Verfolgung. Andere waren Arbeitsmigranten.
So kamen auch die ersten Aramäer Ende der 60er Jahre nach Delmenhorst.
Jetzt wächst die dritte Generation heran. Matthias Matay Gabriel, Sekretär im Kirchenrat der St. Johannes-Gemeinde, beziffert die Zahl der Delmenhorster Aramäer auf 2000.

Der 34-jährige Industriekaufmann hatte bei der Kommunalwahl 2011 als Unabhängiger für den Rat kandidiert, den Einzug jedoch verpasst. „Ich finde, wir Aramäer brauchen in der Politik eine Stimme. Die Türken können das doch auch“, sagt er.

Weltoffenheit und Traditionsbewusstsein, aber auch eine tiefe Religiosität zeichnet die modernen Aramäer aus. Die Kinder wachsen zweisprachig auf, zu Hause wird aramäisch gesprochen. Das Fasten in der Vorweihnachtszeit vom 15. bis zum 24. Dezember ist Pflicht.
In dieser Zeit nehmen die Gläubigen weder Fleisch noch Milchprodukte zu sich. Zum Ausgleich gibt es viele traditionell-aramäische Leckereien, z.B. Oliqe: Mandeln oder Walnüsse an einem Faden aufgezogen und mit eingekochtem Traubensaft getränkt, Krautwickel, Salate und traditionelles Brot, das in aramäischen Haushalten noch aus dem eigenen Ofen kommt. Täglich finden Gottesdienste statt, in denen Spenden für die Gemeinden in der alten Heimat gesammelt werden.
Erst am 1. Weihnachtstag gibt es wieder etwas Kräftiges auf den Teller und im Gottesdienst das Heilige Abendmahl. Das traditionelle Weihnachtsgericht heißt Marga – eine Zwiebelsuppe mit gesalzenem Lammfleisch.
Für die NWZ  hat Mariam Gabriel eine Ausnahme gemacht und bereits am 23. Dezember Marga gekocht – aber nur für die nicht-orthodoxen Gäste.

Wenn der Gottesdienst und das Krippenspiel vorbei sind an diesem Heiligen Abend, geht es nach Hause und die Kinder können endlich ihre Geschenke auspacken.
Hier gleichen sich die Traditionen von östlichem und westlichem Christentum.

Weihnachten wird bei den Aramäern drei Tage lang gefeiert – beginnend mit morgendlichen Gottesdiensten.
„Dann platzt unsere Kirche fast“, berichtet Gabriel. Wer neugierig ist, ist herzlich eingeladen dazuzukommen, muss aber früh aufstehen:
Die Gottesdienste in der syrisch-orthodoxen Kirche an der Elsflether Straße beginnen am 25., 26. und 27. Dezember um 8 Uhr.

Quelle: http://www.nwzonline.de/rund-ums-kind/zu-weihnachten-platzt-die-kirche-fast_a_2,0,123799332.html

http://www.nwzonline.de/delmenhorst/zu-weihnachten-platzt-die-kirche-fast_a_2,0,123799332.html

 

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